Artem Zaitsev

Kapitalisierungstabelle

5 Min.

Einführung und Kerndefinition

Eine Cap Table (kurz für Capitalization Table) ist eine Tabelle oder ein digitaler Datensatz, der die Eigentümerstruktur eines Unternehmens detailliert darstellt und alle Wertpapiere des Unternehmens – wie Stammaktien, Vorzugsaktien, Optionen, Optionsscheine und wandelbare Wertpapiere – sowie deren Eigentümer auflistet. Im Wesentlichen ist es eine umfassende Aufschlüsselung der Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt, die von Start-ups, Gründern, Investoren und Rechtsberatern häufig genutzt wird, um Beteiligungen, Verwässerungen und Unternehmensbewertungen über verschiedene Finanzierungsrunden hinweg zu verfolgen.

Tiefer in das Konzept eintauchen

Eine typische Cap-Tabelle enthält:

  • Namen von Aktionären (Gründer, Investoren, Mitarbeiter, Berater usw.)
  • Arten von Aktienbesitz (z. B. Stammaktien, Vorzugsaktien, Aktienoptionen)
  • Anzahl der Anteile, die jeder Stakeholder hat
  • Prozentsatz der jeweiligen Eigentumsanteile
  • Preis pro Aktie (falls zutreffend)
  • Ausgabedaten und Ausübungsfristen (für Optionen und Optionsscheine)
  • Details zu allen Finanzierungsrunden, einschließlich Pre-Money- und Post-Money-Bewertungen

Cap Tables werden mit dem Wachstum von Unternehmen immer komplexer. Die ersten Versionen sind vielleicht noch einfach und decken nur ein paar Gründer und frühe Investoren ab. Mit der Zeit, wenn neue Investitionsrunden stattfinden und aktienbasierte Vergütungspläne eingeführt werden, werden weitere Stakeholder in die Cap Table aufgenommen und die daraus resultierenden Änderungen bei der Verwässerung des Eigenkapitals und den Eigentumsanteilen berücksichtigt.

Bedeutung und Auswirkungen für Gründer

Für Startups und ihre Gründer ist es super wichtig, eine genaue und aktuelle Cap-Tabelle zu haben. Gründe dafür sind:

  1. Verwässerungsmanagement: Jede Finanzierungsrunde bedeutet in der Regel die Schaffung neuer Aktien, wodurch sich die Anteile der bestehenden Aktionäre verringern. Mit einer Cap-Tabelle können Gründer die Auswirkungen neuer Finanzierungsrunden auf ihre Eigentumsverhältnisse und die ihres Teams prognostizieren.
  2. Investor Relations: Investoren (vor allem Risikokapitalgeber) erwarten professionelle, genaue Cap Tables, um ihre aktuellen und potenziellen zukünftigen Beteiligungen zu analysieren und Investitionsentscheidungen zu treffen.
  3. Compliance und rechtliche Anforderungen: Cap-Tabellen sind oft für die Einhaltung von Vorschriften (z. B. bei der Ausgabe von Aktienoptionen) und bei der Due Diligence für zukünftige Finanzierungsrunden, Übernahmen oder Exits erforderlich.
  4. Entscheidungsfindung: Zu wissen, wer was besitzt, hilft bei Abstimmungen, Vorstandsernennungen und wichtigen Unternehmensentscheidungen, die vielleicht die Zustimmung der Aktionäre brauchen.
  5. Mitarbeitervergütung: Cap-Tabellen zeigen, wie viel Aktien den Mitarbeitern über Aktienoptionspools zugeteilt wurden, und helfen dabei, den aktuellen und potenziellen Wert dieser Optionen als Motivationsinstrument zu vermitteln.

Praktische Anwendung & Beispiele

Beispiel: Ein Startup in der Gründungsphase hat drei Mitbegründer, die jeweils 25.000 Aktien (insgesamt 75.000) besitzen, und sammelt 300.000 Dollar von einem Angel-Investor für 25.000 neue Aktien ein. Die anfängliche Kapitalisierungstabelle würde wie folgt aussehen:

  • Gründer 1: 25.000 Aktien (33,3 %)
  • Gründer 2: 25.000 Aktien (33,3 %)
  • Gründer 3: 25.000 Aktien (33,3 %)
  • Angel Investor: 25.000 Aktien (25,0 %)

Insgesamt: 100.000 Anteile Nachdem ein Mitarbeiteroptionspool mit 10.000 Aktien erstellt wurde, ändern sich die Cap-Tabelle und alle Prozentsätze entsprechend. Bei weiteren Finanzierungsrunden, ausgeübten Aktienoptionen oder umgewandelten Wandelanleihen wird die Tabelle aktualisiert, um die geänderte Cap-Struktur und die daraus resultierende Verwässerung widerzuspiegeln. Kapitalisierungstabellen werden bei Start-ups in der Anfangsphase normalerweise in Tabellenkalkulationen (Excel, Google Sheets) verwaltet. Wenn sich aber die Anteile und Instrumente vermehren, werden oft SaaS-Tools (wie Carta, Pulley oder Captable.io) eingesetzt, um Genauigkeit und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu gewährleisten.

Wichtige Überlegungen und bewährte Vorgehensweisen

  1. Halte alles aktuell: Aktualisiere die Infos sofort nach jeder Transaktion – Finanzierung, Optionsgewährung/-ausübung, Aktienübertragung usw.
  2. Szenario-Modellierung: Modellier mögliche zukünftige Finanzierungsrunden, Exits oder Optionsausübungen, um Verwässerungseffekte vorherzusehen.
  3. Nutze Cap-Table-Software: Für wachsende Unternehmen ist es besser, von manuellen Tabellenkalkulationen auf spezielle Software umzusteigen, um Genauigkeit, automatisierte Compliance und Prüfpfade zu gewährleisten.
  4. Zugriffskontrolle: Beschränk den Zugriff auf autorisiertes Personal; Cap-Tabellen enthalten sensible Infos zu Eigentumsverhältnissen und Vergütungen.
  5. Klare Planung des Optionspools: Berechne und zeige klar die Größe und die Auswirkungen von Optionspools, da diese oft erhebliche Verwässerungseffekte in neuen Finanzierungsrunden haben.

Fazit

Eine gut gepflegte Cap-Tabelle ist mehr als nur ein Tool zur Datenerfassung – sie ist ein strategischer Vorteil für jedes Start-up. Sie hilft Gründern und Investoren, Eigentumsverhältnisse zu verstehen und zu verhandeln, Verwässerungen zu managen und fundierte Entscheidungen in Bezug auf Finanzierung, Einstellungen und Ausstiege zu treffen. Mit dem Wachstum des Unternehmens nehmen die Komplexität und Bedeutung der Cap-Tabelle nur noch zu, sodass eine professionelle Verwaltung dieses Dokuments für nachhaltigen Erfolg unerlässlich ist.


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Häufig gestellte Fragen